Abschied von Renate Strehl

Ein Nachruf zum Tod von Renate Strehl

Renate Strehl †25. Juni 2021

 

Renate Strehl wird unvergessen bleiben als langjährige Künstlerische Leiterin und Regisseurin des Verbandes Berliner Amateurbühnen, als streitbare, temperamentvolle Verfechterin von Sprache und Spiel, von Emotionen und Bildern auf der Bühne.

 

Schon seit frühester Jugend vom Theater nicht nur angezogen, sondern sogar regelrecht – aber natürlich im positiven Sinne - besessen, kam sie über den damaligen Theaterclub Spandau in die Reihen des VBA. Sie spielte und führte selbst Regie. Als späteres Einzelmitglied des VBA gelang es ihr im Amt der künstlerischen Leitung stets, ihre Liebe und Leidenschaft für, sowie ihr immenses Wissen über das Bühnenschauspiel zu vermitteln und gelegentlich auch noch selbst auszuleben. Sie hielt die Tradition der Amateurtheatertage und des dazu gehörenden Verbandsspiels hoch, ihre Stückauswahl war raffiniert und erfrischend unkonventionell. Sie förderte damit nicht zuletzt die vereinsübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gruppen des Berliner Verbandes. So entstanden – später auch unter dem von ihr mit initiierten Label „VBA Theaterwerkstatt“ - Produktionen wie „Ein idealer Gatte“, „Schöne Bescherungen“, „Hase Hase“, „Kammermusik, „Wer war Mr. Hilary?“, „Warum Kurt Tucholsky?!“, „Irre alte Welt“, „Ländliche Werbung“, „Grillparzer im Pornoladen“ und nicht zuletzt, unter zahlreichen Theater-Revuen, das immer wieder zum wehmütigen Schmunzeln anregende „Regiekollegium“ von Max Reinhardt, mit dem sie vielen von uns geflügelte Worte, wie „Strich von Seite 92 Mitte bis Seite 94 oben!“ hinterließ. Auch das lebte sie – den von ihr durchaus geschätzten Autoren nicht alles ehrfürchtig abzunehmen, sondern ihnen auch mal ordentlich „übers Maul“ zu fahren! Sie lobte und kritisierte in Theatermanier, sie legte Wert auf gute Sprache auf der Bühne und versuchte stets ihren Darstellern den einen oder anderen – pardon, aber O-Ton: „Laienscheiß“ auszutreiben! Dennoch oder gerade deshalb – viele legten Wert auf ihren Rat, ihr umfangreiches Wissen, auf eine Rolle in einem ihrer Stücke, die sie regelmäßig auf die Bühne brachte. So mancher Schauspieler wird in von ihr angelegten Rollen ebenfalls noch lange im Gedächtnis bleiben. Ihre Inszenierungen waren meist auch für Tourneen geeignet, dadurch konnte sich der VBA an vielen verschiedenen Spielorten in Berlin, Brandenburg und weiteren Bundesländern präsentieren. Die Fortbildung der Verbandsmitglieder förderte sie in abwechslungsreichen Workshops mit hochkarätigen Dozenten. Ihre Liebe zum Theater versuchte sie zudem, uns in unzähligen gemeinsamen, von ihr organisierten Theaterbesuchen zu vermitteln: innerhalb des VBA, wo sie nur äußerst selten neue Inszenierungen ausgelassen hat, bei Bühnen anderer Landesverbände sowie in Profitheatern. Nicht zum „Ab-“, sondern zum „Über-den-Tellerrand-Gucken“!

 

Leider zwang ihre physische Kondition Renate schon vor einiger Zeit, die Aufgaben im Amateurtheater abzugeben und ihre Arbeit nach und nach einzustellen. Zu ihrem eigenen großen Bedauern blieben auch schon länger ihre Stammplätze in ihrem geliebten BE und der Royal Shakespeare Company unbesetzt. Nun fehlt sie für immer.

Weitere aktuelle Beiträge