Künstlerische Vielfalt ist wichtiger als populistische Einfalt

700 Akteure präsentierten buntes Amateurtheater-Schaufenster

125 Jahre BDAT – Furioser Jubiläumsauftakt in Berlin

 

Von Max und Moritz über Shakespeares sämtliche Werke bis zum Faust in der Tasche: Ein buntes Amateurtheaterspektakel mit rund 700 spielbegeisterten Akteuren präsentierte der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) zum Start seines 125-jährigen Jubiläums an diesem Wochenende vor großem Publikum in Berlin. Bestens aufgelegt begrüßte der Präsident des BDAT Simon Isser zum Festakt am 12. Mai die Kulturstaatsministerin Monika Grütters vor 240 Gästen aus dem In- und Ausland. „125 Jahre BDAT – 125 Jahre Theater“ lautet das Motto, mit dem der Dachverband unter der Schirmherrschaft der Beauftragten für Kultur und Medien auf der Zitadelle in die Jubiläumszeit startete.

 

In ihrer Eröffnungsrede verwies Monika Grütters auf die gesellschaftliche Bedeutung der Amateurtheater, die gerade in ländlichen Regionen die kulturelle Grundversorgung übernehmen. Mit seiner bundesweiten Arbeit setze der Dachverband wichtige kulturelle und kulturpolitische Akzente, so mit dem deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“, der sowohl die künstlerische Leistung als auch das ehrenamtliche Engagement würdigt. Bezugnehmend auf die steigende Tendenz von Fake News in den sozialen Medien und die korrektive Kraft des Theaters betonte die Staatsministerin, dass künstlerische Vielfalt wichtiger sei als populistische Einfalt.

Gruppenbild zur Eröffnung des Festaktes (c) Rüdiger Baumann

Der Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Stiftung Universität Hildesheim Prof. Dr. Wolfgang Schneider stellte in seiner Festrede das große Potential des Amateurtheaters und seinen Stellenwert als dritte Säule neben den Staats- und Stadttheatern sowie der freien Theaterszene heraus. Das Förderpotential, um kulturelle Teilnahme und künstlerische Teilhabe  zu ermöglichen, hält Schneider für ausbaufähig, denn:

 

„Es gibt fünfzig Mal so viele Amateurtheater als Stadttheater, davon auch viele Nicht-Mitglieder des BDAT, aber von den rund drei Milliarden Euro jährlich, die aus öffentlichen Mitteln in die Theaterlandschaft fließen, erhalten die Amateurtheater noch nicht einmal ein Promille.“

 

Einen kritischen Blick zurück wagte der Ehrenpräsident des BDAT Norbert Radermacher. Er nahm Stellung zu schwierigen Zeiten des BDAT, als es Ende der 90er Jahre aufgrund erheblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten fast zur Einstellung der öffentlichen Förderung und damit zur Auflösung des BDAT gekommen wäre. Das konnte zwar abgewendet werden, aber der Dachverband hatte über viele Jahre die finanziellen und kulturpolitischen Konsequenzen zu tragen. Inzwischen sei der BDAT aufgrund seines künstlerischen und sozialen Engagements in der breiten Bürgergesellschaft  anerkannt.

 

Der Vorsitzende des Verbandes Berliner Amateurbühnen Jörg Sobeck bedankte sich im Rahmen des Festaktes bei allen Akteuren, die mit ihrem hohen ehrenamtlichen Engagement die Jubiläumszeit so lebendig gestalten. Im Anschluss an den Festakt gab der „Kommandant der Zitadelle“, der stellvertretende Spandauer Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat Gerhard Hanke die Spielstätten frei und mehr als 20 Theatergruppen zeigten mit großer Spielfreude die künstlerische Vielfalt der bundesweiten Amateurtheaterszene.

 

Beim anschließenden „Tag des Amateurtheaters“ am 13. Mai folgten Tausende von Besucherinnen und Besuchern den Märchen, Komödien, Tragödien, Jahrmarktszenen und Musical-Ausschnitten, die sich auf der Internationalen Gartenausstellung als buntes „Theater-Schaufenster“ unter freiem Himmel abspielten. Nach dem gelungenen Auftakt folgen bis zur Abschlussveranstaltung am 14. September in der Berliner Akademie der Künste bundesweit Theateraufführungen, Festivals, Workshops und Fachdiskussionen. Mehr unter: www.125-jahre.bdat.info

 

Die Eröffnungsveranstaltung wurde gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, LOTTO-Stiftung Berlin und Bezirksamt Spandau von Berlin, Abt. Weiterbildung und Kultur.